Meine Anfänge am MRG

"Ich stamme aus Regensburg und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis zu meinem Eintritt ins Berufsleben, also bis 1967, noch niemals in Amberg gewesen war. ...es lag ganz weit außerhalb der Gedankenwelt eines Gymnasiasten aus der Hauptstadt der Oberpfalz.


So war es ein Novum für mich, als ich - mit viel Mühe, denn eigentlich sollte ich nach Wunsiedel oder Selb geschickt werden - unmittelbar nach meiner Referendarsausbildung in Rgb und Tirschenreuth - ab 6.9.67 als frisch gebackener Assessor an das MRG geschickt wurde, das gerade seinen neuen Namen erhalten hatte und in Amberg nur das "Deutsche Gymnasium" hieß.
Im Übrigen war ich gutgläubig, aber völlig ahnungslos über das, was mich an dieser Schule, die als solche eine lange Tradition hatte, erwarten könnte.
Bewundert habe ich schon gleich die kühne Namensgebung. Von Schwandorf brachte mich die Dampflok nach Amberg.
Als erstes lernte ich die Prachtstraße vom Bahnhof bis zum Malteserplatz kennen - und nun lag er vor mir: mein künftiger Arbeitsplatz: langgestreckt, ein ganzes Stockwerk niedriger als heute - der 3.Stock wurde erst später darauf gesetzt - der Kaiser-Wilhelm-Ring davor war noch gar nicht fertig - große Erdwälle auf beiden Seiten der Straße, magere Anpflanzungen - ich erfuhr, die Straße sei gerade verbreitert worden, um den Verkehr um die Stadt herumzuführen.
Dann ging's ins Allerheiligste der Schule: ins Direktorat.
Die späten 60er waren eine Zeit, in der es nicht darauf ankam, den Schulleiter eines Gymnasiums - der noch dazu wie in diesem Fall manchen jüngeren Kollegen, den er zum ersten Mal erblickte, mit den Worten begrüßte: "Haben Sie gedient?" - mit tiefer Verbeugung und aneinandergelegten Beinen zu begrüßen: "Guten Morgen, Herr Oberstudiendirektor". Da gehörte ich doch schon einer anderen Generation an, fragte mich aber beklommen, ob man das wohl auch von mir erwartete.
Bei anderer Gelegenheit - es war ein Abiball - konnte mein Vorgesetzter mich in einem fortgeschrittenen Ambiente schon mal fragen: "Herr Geinitz, wie alt sind sie denn?" Und als ich nachrechnete und erwiderte: "29 Jahr" - konnte sich plötzlich sein Gesicht verfinstern: "Wissen Sie, wo ich da war? Da hab ich in Usbekistan Kanonen geschleppt"
Der damalige Direktor Guber war erst ein Jahr vorher ins Amt eingeführt worden, was ich natürlich nicht wusste. Ich wurde eingelassen und in einen riesigen Sessel versenkt. Mir gegenüber mein neuer Vorgesetzter, kerzengerade, mit Fliege - und Zigarre paffend. Ob ich viel sagen konnte oder wollte, weiß ich nicht mehr - nur eines: immer heftiger Zigarrenwolken ausstoßend ..gleichzeitig fixierte er einen Punkt über mir, erklärte er mir, dass ich neben meinen Prüfungsfächern Französisch und Englisch selbstverständlich auch Deutsch und Erdkunde zu unterrichten hätte... "für einen Neuphilologen eine Kleinigkeit".
Französisch durfte ich dann all die Jahre über als exotisches Wahlfach unterrichten. Im Sommer an jenem runden Steintischchen unter Bäumen im parkähnlichen Garten, der damals ganz verträumt auf der Rückseite des Schulgebäudes hinter einem Schweinestall und einem Gemüsegarten lag. Kein öder und langweiliger Bodenbelag für sportliche Aktivitäten störte den leisen Hauch einer vergangenen Zeit, der über der ganzen Schule lag.
Mein Vorgesetzter setzte bei der ersten Besprechung gleich noch etwas drauf: "Sie werden auch im Heim eingesetzt und für die erste Zeit gleich als Präfekt" Ich war wie vernichtet, wollte nur noch heimfahren und bin wohl mehr hinausgeschlichen als befriedigt und aufrecht aus der Schule hinausgegangen. Ein Kollege begrüßte mich mit den Worten:" Sie sind ein wichtiger Mann. Sie haben meinen Sohn im Unterricht." Es war dann die erste Langformklasse, die nun in der 7. mit der Zweitfremdsprache Englisch mit einem neuen und jungen Lehrer begann. Sie führte ich dann 1974 auch zum Abitur.
......dass am MRG der neu aufkommende Sport: Volleyball , jeden Dienstag für die Damen und Donnerstag für die Herrn gepflegt wurde. Die älteren Herrn hatten noch regelmäßig Faustball gespielt. Selbstverständlich ging man nach dem Sport zum "Schopperwirt" (Sechserstr.) ein "Sechs-Tischerl-Wirt" alten Schlags, der besonders die jungen noch nicht verheirateten oder abkommandierten Lehrer des MRG als Stammkundschaft zum täglichen Mittagstagstisch und eben auch abends, hatte.
Im späteren Verlauf des Donnerstagabends fand sich auch immer eine Schafkopfrunde aus dem älteren Kollegenkreis - auch wurden teuflische "Lochstetter" Schnäpse (eine Art Pfefferschnaps) scheinbar großzügig spendiert - scheinbar: die Folgen konnten für den Ahnungslosen schrecklich sein: grün und blau im Gesicht sei "er" im Auto gesessen. Oder andern Tags bat uns der Sohn eines Kollegen: Bitte dem Vater keinen Lochstetter mehr spendieren. Die ganze Nacht hat er nicht schlafen können.

(Klaus H. Geinitz)




125 Jahre Max-Reger-Gymnasium Amberg (MRG)