Hat unser Gesundheitssystem Zukunft?

Referat von Prof.Dr. Georg Nagler, Vorstand der AOK Bayern


Prof.Dr. Georg Nagler

Prof.Dr. Georg Nagler
Prof.Dr. Georg Nagler, Abiturient des MRG, eröffnete mit einem Referat "Quo vadis Gesundheitssystem" die Veranstaltungsreihe zum 125 jährigen Jubiläum der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt. Dabei sprach er über aktuelle Probleme der Finanzierung, wagte aber auch die Prognose, dass 2005 keine Senkung der Beitragssätze in der gesetzlichen KV zu erwarten sind. Trotz gesunkener Arztbesuche, 2004 gingen wird es 60 Millionen weniger Arztkontakte geben, gesunkener Arzneimittelverschreibungen, - alles Wirkungen der Praxisgebühr - wird 2005 der Apothekerrabatt verbessert, der Preisstopp für Arzneimittel aufgehoben. Hinzu komme der Beitrag für den Zahnersatz von 0,9 Prozent, aber auch die von der Politik den gesetzlichen Kassen aus der Pflegeversicherung zugeschobenen Lasten. Diese Zusatzkosten würden die Einsparungen wieder wett machen.


"Der Bevölkerung müsse endlich die Wahrheit über die demographische Entwicklung gesagt werden. Wir haben zu wenig junge Beitragszahler, zu wenig Wirtschaftswachstum. Ein junger Versicherter koste eben etwa 500 Euro im Jahr ein über 80 jähriger etwa 4200 Euro," betonte Dr. Nagler. Die Preise für die medizinische Leistungen steigen aber weiter, obwohl die Einnahmen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren. Eine überzeugende Lösung gebe es nicht. Soll man bestimmte medizinische Leistungen grundsätzlich nicht mehr über die Solidargemeinschaft finanzieren, oder auf ein bestimmtes Alter beschränken. Darüber müsse die Gesellschaft, aber auch die Politik entscheiden. Hartz IV musste kommen, weitere Einschränkungen seien sicher nötig. Das "medizinisch Notwendige" werde von der KV weiter finanziert werden. Wer definiert aber, was wirklich medizinisch notwendig ist. Diese Frage bestimmte vor allem die anschließende Diskussion. Probleme sah er vor allem bei der einheitlichen "Gesundheitsprämie", ein logisch faszinierendes Modell, da jeder die gleiche medizinische Leistung erwarten könne. Aber die etwa 32 Mrd. Euro, die dann über die Steuer finanziert werden müssten, seien politische Manövriermasse. Nur wenn im GG festgelegt werde, dass diese Summe wirklich den gesetzlichen Versicherungen zustünde, könne er sich mit dem Gedanken befreunden.

Den Vorteil der privaten Krankenversicherung betonte er, sie müsse schließlich nur Gesunde nehmen. Er glaube, dass deren Zukunft bei Zusatzversicherungen liege. Zur gesetzlichen KV, die auf aktueller Solidarität beruhe, gebe es keine Alternative, denn einen Kapitalstock könne man nur ansparen, wenn derzeit weitere 5 Prozent des Gehalts abgezogen würden, aber auch das würde erst in 30 Jahren Erfolge zeigen. Da aber eine Neuordnung sicher wieder Stimmen kosten wird, erwartet er die Bürgerversicherung, die eher dem Gedanken der Solidarität entspricht, erst 2008.

Zukünftig glaubt er an Kostensparung durch Fallpauschalen, aber auch durch vernetzte Arztpraxen mit etwa 6 Ärzten, die von einem Manager verwaltet werden. Der Einzelkämpferarzt habe wohl wenig Zukunft. Genau so wenig hielt er von der Zerschlagung der Kassenärztlichen Vereinigungen, denn an deren Stelle würden wieder gewerkschaftlich organisierte Ärzte treten. Eine Lösung sah er wohl in der Beschränkung medizinischer Leistungen. Diese könne aber, da sie kundenorientiert arbeiten müssen, nur von der Politik verordnet werden, aber auch in der kostensparenden Rationalisierung im medizinischen Angebot, die bei gleichbleibender Qualität möglich ist.




125 Jahre Max-Reger-Gymnasium Amberg (MRG)